ich stand am fenster.
ich stand am fenster, wie jeden tag, jeden winter seit jahren schon. als du damals gingst, im november, nachts, es schien kein stern und der mond brach nicht durch den dunst, der über dem land lag wie ein leichentuch. und weil du gingst, musste ich bleiben.
frei warst du, wie ein zugvogel, nur gingst du nicht in den süden, du flohst vor der wärme der liebe in den norden, ins eis. und weil du gingst im november stand ich da, täglich, am fenster. und wartete.
ich wartete, ohne zu wissen, worauf, denn nicht auf dich, ich wusste du kehrtest nicht wieder. und so stand ich, und erst war es der kummer, der mich am fenster hielt, und als dieser mich beinah gebrochen hatte, da war es die hoffnung, die mich am fenster hielt, doch als der november auch die hoffnung brach, da war es die liebe, die mich am fenster hielt.
und jahre vergingen, während ich da am fenster stand, ich stand tags am fenster und nachts träumte ich von fenstern, und das fenster wurde zur gewohnheit. ich wartete nicht mehr.
ich stand am fenster.
ich stand am fenster, wie jeden tag, jeden winter seit jahren schon. und es schien kein stern und der mond brach nicht durch den dunst, der über dem land lag wie ein leichentuch, wie zu der nacht, da du gingst.
doch meinte ich, der nebel wiche und strengte mich an, zu sehen, was dort war. was sich dort bewegte, auf dem weg, auf dem du mich verließt.
und auf dem weg, auf dem du von mir gingst, da sah ich ihn. wärmer und schöner, als je zuvor, heller, lichter, frischer und lebendiger. und als er näher kam, schritt für schritt, da machte er mit jedem seiner schritte einen tag, den ich am fenster stehend und an dich denken zugebracht hatte, ungeschehen.
endlich, endlich sah ich, worauf ich da seit jahren schon am fenster wartete.
endlich, ein neuer morgen.
Wie wunderschön das geschrieben ist. Wirklich, ich weiß garnicht, was ich sagen soll. Es ist toll. :)
AntwortenLöschenUnd ja, heute geht es mir recht gut, zumindest im Moment :D die schreckliche Woche ist schließlich endlich vorbei.
Und wie geht es dir?
Wie geht es DIR? Was macht deine Facharbeit? Wie schmeckt dein Tee? Den Rilke hast du verschuldet. Danke. Kannst du mir mailen?
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