achja - ich bin nicht krank.
Eigentlich ein ganz normaler Tag, nichts Außergewöhnliches. Alltagsgrau.
Eigentlich ein ganz normaler Tag, nichts Außergewöhnliches. Alltagsgrau.
Aufstehen, duschen, Kaffee, Katze füttern. Wieder ins Bett gehen, an die Decke starren. Nichts Besonderes finden im Raum, in dem Tag, in dem Blick aus dem Fenster. Alltag. Reden, mit sich, nur um eine lebendige Stimme zu hören. Um das schreiende Schweigen der leeren, kahlen, kalten vier Wände zu brechen. Um das Klingeln im eigenen Kopf zu übertönen. Alltag.
Wieder aufstehen. Durchs Haus tigern. Kaffee und Selbstvorwürfe. Der Blick in den Spiegel mit geschlossenen Augen, um nicht zu sehen, was aus ihnen schreit. Kaffee ist gut gegen Gedanken, aber nicht gegen Alltag. Warum ist der Himmel so erdrückend blau? So fern, während die Einsamkeit so nah ist? Warum tun Gedanken physisch weh, warum denke ich, obwohl ich nicht bin? Und warum finde ich trotz der vielen Fragen keinen Sinn? Ich muss raus. Raus, raus aus diesem Haus, das mich gefangen hält in mir, raus aus diesem Ablauf, diesem Rahmen. Raus aus dem sinnlosen Starren auf leere, schmutzige Wände, raus aus dem Gedankenwirbel, der nicht von mir gedacht wird, sondern mich denkt. Ich gehe.
Draußen ist es kalt. Neblig und kalt. Der November bedeckt den Himmel, wabert durch die Straßen und schluckt das Licht der Laternen. Der Alltag trägt mich, er kennt den Weg, in Gedanken werfe ich mich meinem Welthass zum Fraß vor. Alltag. Ich fühle nicht, ob und wie kalt mir schon ist. Aber meine Hände werden weiß und bläulich und der Himmel ist samtschwarz und schwer, er bedeckt den Abend wie ein Leichentuch. Am Horizont zeugt nur noch ein dunstig purpurner Streifen vom erloschenen Tag, an den ich mich kaum erinnern kann. Aus den Wiesen steigt Nebel auf, silberne Seelen toter Sommertage. Ich gehe zurück.
Alltag. Zu viel Alltag.
Ich lege mich wieder ins Bett. Es ist der Alltagskäfig, golden und klein. Die Angst legt sich auf meine Brust und lässt mich nicht mehr aufstehen, lässt mich kaum noch atmen, aber auch nicht mehr denken. Nach langem, gelähmtem Starren auf die Uhr holt mich der Schlaf. Traumlos vergehen Stunden, tief und schwer. Aber keine Erholung. Leider geht auch der Schlaf vorbei.
Mit dem Aufwachen geht der Alltag weiter. Etwas zu Essen wäre aus gesundheitlichen Gründen wohl nicht verkehrt, obwohl mein Körper kein Hungergefühl zeigt. Der Blick in den Kühlschrank ist selbstredend. Ein Licht, Kälte, ein Brummen. Leer schaut er mich an und ich habe das Gefühl, er könnte mich verstehen. Ich schließe seine Tür.
Wie ein Somnambulist schleppe ich mich ans Wohnzimmerfenster. Mein Blick fällt aufs Sofa. Da liegt die Katze. Schlafend und grau. Ihr runder Bauch hebt und senkt sich sanft mit ihrem Atem, ihre Pfoten strecken und entspannen sich. Sie scheint zu träumen. Mein Elfenmädchen, ein Wesen, so zart und still, wie aus einer fremden Welt. Wie es in ihrer wohl aussieht? In meiner ist es kalt. Kalt und leer. Wie im Kühlschrank, nur ohne Licht.
Danke. Einfach danke.
AntwortenLöschenich bin du und wir sind wir, so sehr es uns zerreißt.
AntwortenLöschenHast du eigentlich schon mal darüber nachgedacht, an einem Poetry Slam teilzunehmen??
AntwortenLöschenWieder mal unglaublich berührend.
Wirklich sehr berührender Text!
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